Wunderschöner Farbkompass aus dem 19. Jahrhundert – jetzt online

Werner’s Nomenklatur der Farben

Die Farbgruppen mit 110 Farben

Tolle Fotos zu allen Farben

Zu den 110 dargestellten Farben gibt es sehr ansprechende Fotos mit Mineralien, Pflanzen und Tieren. Farbzusammensetzungen werden aufgelistet, sind verlinkt und können direkt aufgerufen werden. Das Betrachten macht (mir zumindestens : ) unheimlich Lust, sofort die Aquarellfarben zu schnappen und loszulegen.

Orpiment Orange, Beispiele aus der Tier- und Pflanzenwelt

Rose Red, Beispiele von Mineralien und Pflanzen

Brownish Black, Beispiele von Mineralien und Tieren

Erste Veröffentlichung 1814

Die erste Veröffentlichung vom Buch „Werner’s Nomenklatur der Farben“ war 1814. Abraham Gottlob Werner war ein bedeutender Mineraloge, Geologe und Bergmeister an der Bergakademie in Freiberg/Sachsen. Er verfasste eine Schrift über beschreibende Mineralogie und erfand ein Klassifikationssystem, mit dem sich anhand von Glanz und Farbe Mineralien bestimmen lassen.

Verfasser des Buches war Patrick Syme, ein Pflanzenmaler und Zeichenlehrer in Edinburgh. Er verwendete die Klassifikation von Werner als Grundlage für Namen und Farbtafeln wie sie im Buch zu finden sind. Zudem ergänzte er die Referenzen mit Beispielen aus der Tier- und Pflanzenwelt.

Schon Charles Darwin nutzte auf seinen Reisen das Buch und Neudrucke sind in Online-Shops von Buchhändlern und Kunstbedarf erhältlich.

Werner’s Nomenklatur der Farben wurde von Nicholas Rougeux digital bereitgestellt

Nicholas ist Designer mit einem Faible für komplexe Digitaldaten und Fraktale. Er setzt spannende Projekte um. Als das Smithsonian Museum in Washington das Buch neu auflegte, wurde Nicholas darauf aufmerksam. Nachdem es ihm Spaß macht, solche Kunstwerke neu aufleben zu lassen und kein Copyright für das Buch vorliegt, hat er es digital aufbereitet. Das Ergebnis begeistert und steht zur freien Verfügung.

Hex Code für Designer

Der Hexadezimal Code der 110 enthaltenen Farben wurde in einem extra Dokument angegeben. Heute ist für Gestalter das Pantone Farbsystem relevant.

Aquarellfarben aus Mineralien

Die mineralischen Aquarellfarben von Daniel Smith in Fabriano
Präsentation von Daniel Smith in Fabriano

Obwohl ein Großteil aller Farben heute synthetisch hergestellt werden, gibt es – in letzter Zeit wieder verstärkt – Farben aus Mineralien. Diese reflektieren das Licht besser und sind daher meistens besonders strahlend. Allerdings gibt es auch sehr erdige Farben, die ganz andere Vorzüge haben, z. B. ein starkes Granulieren. Die Mineralien werden auf der ganzen Welt gesucht und abgebaut. Manchmal verhindern das Kriege, beispielsweise liegt eine der wesentlichen Fundstellen von Lapislazuli in Afghanistan.

Kostbarer als Gold

Lapislazuli-Blau – kostbarer als Gold – und sündhaft teurer Purpur – 2000 Euro pro Gramm! Die Kunden sind Restauratoren, Künstler und viele berühmte Museen der Welt.
Getrocknete Kermesläuse, Purpurschnecken, alte Alchemisten-Handbücher, Spitzhacke und Schaufel – damit ist Georg Kremer den verlorenen Farben der Vergangenheit auf der Spur. Hier ist ein interessanter Bericht über die Farben der Alten Meister und dem faszinierenden Beruf von Georg Kremer.

Deckkraft, Lasur, Lichtechtheit, Staining und Granulieren

Jeder Hersteller von Aquarellfarben klassifiziert heute seine Farben nach diesen Kriterien. Die Übersichten sind auf den Webseiten der Farbhersteller oder in Künstlerbedarf-Geschäften erhältlich.
Die Farben der unterschiedlichen Hersteller sind bei gleichen Farbnamen nicht gleich. Ein Quinacridone Gold von Schmincke sieht anders aus und verhält sich anders als ein Quinacridone Gold von Winsor & Newton oder Daniel Smith.

Meine Aquarellfarben von Schmincke, Winsor&Newton und Daniel Smith

Nachdem ich selbst bei meinen vielen Farben etwas den Überblick verloren habe, werde ich mich gründlich damit auseinandersetzen und meine Erkenntnisse auch hier im Blog festhalten. Für Anfänger ist eine reduzierte Anzahl von Farben auf alle Fälle zu empfehlen.

Wieviele Farben braucht ein Aquarell?

Lambert van Bommel, ein Meister des Aquarells, dem ich oft zugeschaut habe, malt nur mit 3 Farben (gelb, rot, blau) und Schwarz als Ergänzung. Diese Farben sind transparent und nicht granulierend. Damit steht ihm das gesamte Farbspektrum seiner vielfältigen Motive zur Verfügung.

So habe ich auch die ersten Jahre gemalt und gut mischen gelernt, allerdings ist es für mich unwiderstehlich, neue Farben mit hoher Leuchtkraft oder starker Granularität zu entdecken.

Elke Memmler verwendet sehr viele Farben für ihre expressionistischen Aquarelle. Bei ihr habe ich erfahren, dass riesige Farbpfützen aus mehreren Farben oftmals sehr interessante Strukturen ergeben. Das braucht dann viel Zeit zum Trocknen, am besten die ganze Nacht. Dazu wird das richtige Papier benötigt, bei dem sich die Farbe eher an der Oberfläche ablagert.

Endre Penovàc malt einzigartige Bilder mit nur einer Farbe. Am bekanntesten sind seine nass-in-nass gemalten Katzenaquarelle. Nur eine Farbe, sehr wenige Pinselstriche, viel Zeit zum Trocknen und vor allem viel Erfahrung sind die Zutaten für seine Aquarelle.

Es gibt noch viel zu entdecken und auszuprobieren. Über Kommentare freue ich mich.

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